Schweizerische Kriminalprävention - Prévention Suisse de la Criminalité


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Wenn Kinderpornografie eine neue Bedeutung bekommt

image Gemäss aktuellen Zeitungsberichten meldet die Kinderschutzgruppe des Kinderspitals Zürich eine beunruhigende Zunahme Jugendlicher, die Gleichaltrige oder Jüngere sexuell missbrauchen. Auch internationale Studien zeigen eine Zunahme dieses Phänomens.
Laut Aussagen des leitenden Psychologen der Kinderschutzgruppe sind die Gründe dafür in der Sexualisierung des Alltagslebens - etwa durch den unbeschränkten Zugang zu pornografischen Medien - sowie durch den schwindende Einfluss der elterlichen Erziehung zu suchen: Kinder spielen Pornos nach.

Das klassische Opfer-Täter-Bild greift hier nicht mehr. Natürlich sind die missbrauchten Jugendlichen und Kinder Opfer, aber kann man von den missbrauchenden Minderjährigen wirklich noch von Sexualstraftätern sprechen, die bestraft werden müssen? Selbstverständlich muss die Erwachsenenwelt reagieren. Auch junge Menschen müssen für ihre Taten Verantwortung übernehmen.
Unser Rechtsystem setzt das Schutzalter bei 16 Jahren an. Die Gesellschaft geht davon aus, dass eine Person erst ab 16 Jahren frei über die eigene Sexualität verfügen und die Konsequenzen sexueller Handlungen mehr oder weniger eigenverantwortlich einschätzen kann. Jüngere werden per Gesetz vor Missbrauch geschützt, auch wenn der Täter oder die Täterin selbst minderjährig ist. Im Strafgesetz findet sich auch der Jugendschutz-Artikel, der besagt, dass man unter 16-Jährigen keine Pornografie zugänglich machen darf. Offensichtlich zu Recht geht man davon aus, dass Pornografie die gesunde sexuelle Entwicklung störend beeinflusst. Diese störende Beeinflussung geht teilweise so weit, dass Jugendliche zu Vergewaltigern werden. Aber sie spielen ja nur Pornos nach…

Es mutet seltsam an, dass von unbeschränktem Zugang Jugendlicher zu Pornografie gesprochen wird. Natürlich stimmt das, aber man hat sich offenbar damit abgefunden. Man spricht kaum je davon, dass dieser unbeschränkte Zugang einen klaren Rechtsbruch darstellt. Alle schauen empört zu, niemand unternimmt etwas. Eltern, die ihre Aufsichtspflicht vernachlässigen, werden kaum je zur Rechenschaft gezogen, sicher eine Tatsache. Aber auch verantwortliche Eltern sind ohne drastische Kontroll-  und Abschirmmassnahmen unmöglich in der Lage, ihre jugendlichen Kinder so zu beaufsichtigen, dass sie keinen Zugriff auf Pornografie haben können. Eltern werden in dieser Problematik alleine gelassen. Die Politik, die Behörden und vor allem auch die Pornoindustrie schützt sich mit dem Argument der Globalisierung. Sicher, das Internet ist global, das Rechtssystem und die Strafverfolgung sind es nicht. Offenbar ist es für Pornoanbieter technisch unmöglich, einen echten Jugendschutz zu gewährleisten.

Das Recht kapituliert vor der Technik? Der unbedarfte Geist denkt sich doch; wenn ein Anbieter die gesetzlichen Anforderungen nicht einhalten kann, dann darf er halt nicht anbieten. Aber eben, auch in der Politik, in den Behörden und überall im Lande finden sich Erwachsene, die auf Ihren Pornokonsum wegen den paar Jugendlichen, die damit nicht umgehen können, doch nicht verzichten möchten. Lieber empört man sich über Sexualstraftäter, die auch immer jünger werden…

Das Zürcher Kinderspital führt eine Studie zu sexuellen Belästigungs- und Gewalterfahrungen im Jugendalter durch. Dazu werden männliche und weibliche Jugendliche gesucht, die schon einmal sexuell belästigt wurden oder sexuelle Gewalt erlebt haben. Teilnehmende sollten sich im neunten Schuljahr befinden oder dieses vor höchstens zwei Jahren abgeschlossen haben. Als Dankeschön bekommen Teilnehmende zwei Kinogutscheine.

Informationen finden Interessierte hier.

Verfasser: Chantal Billaud am 08.01.2010 um 15:07:18 Uhr

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