Schweizerische Kriminalprävention - Prévention Suisse de la Criminalité


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Zürcher Studie zu Kinderpornografie-Konsumenten

imageDer psychiatrisch-psychologische Dienst des Zürcher Justizvollzugs hat am Dienstag, den 14. Juli 2009, eine interessante Studie vorgestellt. Das Delinquenzverhalten von 231 verurteilten Kinderpornografie-Konsumenten wurde über 6 Jahre weiter verfolgt und deren Vorgeschichte durchleuchtet.
Die Haupterkenntnis aus dieser Studie lautet: Allein der Konsum von Kinderpornografie ist kein Risikofaktor für Sexualdelikte.
Diese Erkenntnis hat das Forscherteam aus den Resultaten gewonnen, dass kein einziger der verurteilten Kinderpornografiekonsumenten wegen eines pädosexuellen Deliktes in den Folgejahren in Erscheinung getreten sei. Zudem sei die Mehrheit der Delinquenten auch im Vorfeld nicht wegen einschlägiger Delikte vorbestraft gewesen. Gemäss psychiatrischer Diagnose handle es sich bei den meisten Tätern auch nicht um pädosexuel veranlagte Männer.
Fazit: ein konsequentes strafrechtliches Vorgehen gegen Konsumenten von Kinderpornografie lohne sich - die Mehrheit werde nicht weiter straffällig, weder im Bereich Kinderpornografiekonsum, noch im Bereich Gewalt- oder Sexualdelinquenz.

Die Schweizerische Kriminalprävention begrüsst solche Studien und kann einem Teil des Fazits, nämlich dass sich eine konsequente Strafverfolgung lohne- nur zustimmen.

Wir erlauben uns dennoch, auf einige Punkte kritisch einzugehen. Wie die Herausgeber der Studie selbst anmerken, stammen die untersuchten Personen aus der 1.Generation von Kinderpornografiekonsumenten, die mittels Kreditkarten über kommerzielle Kinderpornowebseiten Material eingekauft haben. Der Anbieter aus den USA hat im Jahr 1999 Kinderpornografie weltweit zum Verkauf angeboten. Die amerikanische Behörde des «Bureau of Immigration and Customs Enforcement (ICE)» (nicht das FBI) haben seinerzeit Daten von Zehntausenden von Käufern den entsprechenden Strafverfolgungsbehörden verschiedenster Länder zukommen lassen, darunter Daten von über 1000 Tätern aus der Schweiz. Die Operation in der Schweiz lief im Jahr 2002 unter dem Namen «Genesis» und löste ein riesiges Medienecho aus. Von diesen über 1000 Verdächtigten aus der ganzen Schweiz wurden 231 im Kanton Zürich verurteilt und diese waren auch Gegenstand der Zürcher Studie.

Hintergrund und Fakt ist zudem, dass der Anbieter aus den USA auch legale Pornografie angeboten hat und die Kunden über diese Einstiegs-Plattform mit legaler Pornografie in illegale Bereiche zu locken versuchte. Wie erwähnt, haben sehr viele diesen illegalen Bereich auch genutzt und sind absolut zu recht dafür belangt worden.
Diese Täter hatten resp. haben in der Tat überdurchschnittlich oft eine akademische Bildung, arbeiten im Informatikbereich und haben die Schweizer Staatsbürgerschaft.

Zu dieser Zeit war es noch nicht in allen Schichten üblich, mittels Kredikarte im Internet einzukaufen. Es bedingte auch ein überdurchschnittliches Know-How im Umgang mit dem Internet. Zudem handelte es sich wie gesagt um einen kommerziellen Anbieter, der auf der Einstiegsseite legale Pornografie anbot. Viele Genesis-Kunden waren in der Tat nicht pädophil veranlagte Männer, die aus einer pervertieren Neugier heraus illegale Pornografie kauften. Für diese Menschen ist ein Strafverfahren sicher ein effizienter Schuss vor den Bug und hoffentlich hilfreich, um sich selbst von dieser Form von Neugier und eventuell Pornosucht befreien zu können.

Die Folgeaktionen beim Bundesamt für Polizei, aus den Kantonen oder auch aus dem Ausland haben inzwischen deutlich gemacht, dass es sehr unterschiedliche Formen von Kinderpornografie-Angeboten gibt, die auch unterschiedliche Tätergruppen ansprechen. Nicht-kommerzielle Angebote in geschlossenen Gruppierungen, verstecktere kommerzielle Angebote, Modellingseiten aus dem strafrechtlichen Graubereich, etc.

Inzwischen kaufen immer mehr Menschen aus allen Schichten mit Kreditkarten im Internet, immer mehr Personen haben überhaupt Zugang und kennen sich auch immer besser damit aus. Dementsprechend werden Konsumenten von Kinderpornografie aus breiteren Schichten und mit vielfältigerem Hintergrund in den Strafverfahren entdeckt.  Zudem wurde deutlich, dass man die Charakteristiken und Verhaltensweisen von Kinderpornografiekonsumenten aus der Operation «Genesis» so einfach nicht verallgemeinern darf. Auch pädosexuel veranlagte Personen suchen weiterhin Kinderpornografie im Netz und werden auch fündig. Zudem konnten viele Wiederholungstäter in weiteren Aktionen enteckt werden. 

Aus unserer Sicht ist es also falsch, verallgemeinernde Schlüsse aus einer Untersuchung mit «Genesis»-Kunden zu ziehen. Für die Strafverfolgung, die Justiz und schlussendlich auch für die psychiatrisch-psychologische Begutachtung ist es ausserordentlich wichtig, die Angebote, den Umgang damit und auch die Hintergründe der Konsumenten bei jeder neuen Aktion genau abzuklären. Allgemeine Aussagen, wie sie über diese Studie zu lesen waren, können allzu leicht dazu veranlassen, Kinderpornografie-Konsum wiederum als eine Art von Kavaliersdelikt erscheinen zu lassen, das Umfeld der Konsumenten zu wenig abzuklären und einen eventuellen Therapiebedarf zu vernachlässigen.

Eine Studie ist gut, weitere Studien sind besser!

Verfasser: Chantal Billaud am 16.07.2009 um 11:26:57 Uhr

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