Ferne Länder und der Reiz des Geldes
Vor einigen Jahren war ich mal mit einem Freund in Thailand. Wir machten nach einer dreimonatigen Reise durch Australien dort einen einwöchigen Stopover bei einem Kollegen. Selbstverständlich wollten wir uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt ansehen und so stand dann auch ein etwas ausserhalb des Stadtzentrums gelegener Tempel WAT irgendwie auf dem Programm. Wir hatten uns von einem Tucktuck in der Nähe absetzen lassen, weil wir noch etwas anderes ansehen wollten und liefen gerade in Richtung dieses Tempels, als uns einer jener stets freundlich lächelnden Menschen (was ich persönlich auf die Dauer für ziemlich nervig halte, weil ich letztendlich nicht weiss, was diese Menschen wirklich denken) ansprach und fragte, ob er uns helfen könne.
(Trick 1: Nicht er will was von uns, sondern er will uns helfen. Damit sind wir schon in seiner Schuld, denn er will uns ja was Gutes, nämlich helfen.) Wir sagten, dass wir auf dem Weg zu diesem Tempel seien. Oh, das sei aber schade, meinte er, wegen eines buddhistschen Feiertages könne man den heute nicht besichtigen. Aber in der Nähe gäbe es eine einzigartige Ausstellung von Diamanten, welche nur noch heute geöffnet sei.
(Trick 2: Die Verwendung von zu vielen Superlativen oder Einmaligkeiten sollte Sie stutzig machen. Auf jeden Fall misstrauisch sollten Sie werden, wenn etwas “Nur noch heute” stattfindet.)
Froh (ja ehrlich, wir waren damals so treudoof), dass er uns den Weg zum Tempel erspart hatte und uns ein Altenativprogramm bot, trabten wir dem freundlichen Menschen nach, der uns in ein munter plapperndes Gespräch verwickelte. Wir merkten gar nicht, dass wir etwa 20 Minuten liefen und er mittlerweile einiges über uns herausgefunden hatte.
(Trick 3: Freundlichkeit kann als Waffe eingesetzt werden, aber haben Sie zu Beginn einer solchen Begegnung ein gesundes Misstrauen und lassen Sie sich nicht ausfragen.)
Endlich kamen wir in der Ausstellung an, die selbstverständlich ein Ladenlokal war und zwar ein grosses. Wir wurden einer freundlichen Dame vorgestellt, welche uns einen langen Vortrag über Diamanten hielt und uns alles Mögliche zeigte. Selbstverständlich wollte sie uns auch nicht die Möglichkeit verschweigen,
(Trick 4: Man erzählt erst ganz beiläufig von der Möglichkeit, das ist wie die Angel auswerfen und gucken, ob Sie zuschnappen. Nach Ihrer Reaktion wird dann die Höhe des in Aussicht erstellten Profits bemessen)
dass wir auch Diamanten kaufen könnten und zu einem guten Preis verkaufen könnten. Gott sei Dank hat mich gnädiges Vergessen umgeben, was diese Person noch an hahnebüchenen Geschichten erzählt und welchen Profit sie uns in Aussicht gestellt hat. Bucherer in Bern sei übrigens einer ihrer Kunden.
(Trick 5: Referenzen aufbauen, um Glaubwürdigkeit und Seriosität vorzutäuschen - unnötig zu erwähnen, dass es nicht stimmte.)
Und da heute der “letzte Tag” von-was-auch-immer sei, könne sie uns einen besonders guten Preis machen. Scheinbar hatte sie die Dollarzeichen in unseren Augen gesehen und noch ein wenig draufgelegt.
(Trick 6: Wie sagt doch der Teufel so schön: “Gier ist meine Lieblingssünde, damit bekomme ich sie alle”)
Aber wir müssten halt sofort zugreifen, weil blablabla….
(Trick 7: Zeit- und Entscheidungsdruck wird aufgebaut, um in den Genuss des einmaligen Angebots zu kommen.)
Da unser Kollege in Bangkok Juwelier war, wollten wir mit diesem telefonieren und fragen, was er davon hielt. Leider war aber -angeblich- das Telefonnetz in diesem Stadtteil gerade ausgefallen, tja so ist das halt in Schwellenländern.
(Trick 8: Je grösser die Lüge, desto eher glaubt man sie mitunter.)
Nun um es kurz zu machen, wir sind schliesslich nach 3 Stunden “entkommen”. Das Ganze war natürlich nur ein Schwindel, um uns Glasmurmeln als Diamanten zu verkaufen und so an unsere Franken zu kommen.
Und die Moral von der Geschicht’:
Seien Sie in fremden Ländern nicht übermisstrauisch, aber auch nicht vertrauensselig. Achten Sie auf die oben aufgeführten Tricks und Sie können Risikosituationen besser einschätzen.
Das Land könnte selbstverständlich auch jedes andere sein und das Produkt: Teppiche, Schmuck oder Kunstwerke oder was auch immer sein.
Übrigens gibt es auf dieser Welt tatsächlich Menschen, die einem einfach so ein Lächeln schenken und zu einem freundlich sind!
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