Wie erreicht die Polizei Seniorinnen und Senioren mit ihrer Präventionsarbeit?

| Oliver Aegerter

Ob es um Betrugsmaschen am Telefon oder einfach um Unsicherheiten im öffentlichen Raum geht, die polizeiliche Präventionsarbeit richtet sich zunehmend auch an ältere Menschen. Doch wie wirksam sind diese Angebote tatsächlich?

Eine aktuelle Masterarbeit ​(Uysal & Aegerter, 2025)​ geht dieser Frage nach und beleuchtet, welche Bedürfnisse, Kommunikationsformen und Erwartungen Seniorinnen und Senioren im Kontakt mit der Polizei haben. Dabei steht nicht die Bewertung, sondern das Verständnis im Vordergrund: Wie können Präventionsstrategien so gestaltet werden, dass sie Wirkung entfalten, Vertrauen fördern und das Sicherheitsgefühl stärken? 

Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen Wege auf, wie die Polizei ihre Präventionsarbeit noch gezielter, ressourceneffizienter und näher an den Lebensrealitäten älterer Menschen gestalten kann – und wie dadurch eine nachhaltige, bevölkerungsnahe Polizeiarbeit weiter gestärkt wird. 

Zwischen demografischem Wandel und Präventionsauftrag

Die Schweizer Bevölkerung altert – ein demografischer Wandel, der auch die polizeiliche Präventionsarbeit vor neue Aufgaben stellt. Der demografische Wandel fordert nicht nur neue Inhalte, sondern auch neue Kommunikationsformen und Denkweisen in der Sicherheitsprävention. Während sich die Prävention traditionell stark auf Jugendliche und jüngere Erwachsene konzentriert, rückt zunehmend die Frage in den Fokus, ob die Bedürfnisse der Generation 60+ ausreichend berücksichtigt werden. 

Die Masterarbeit, auf der dieser Beitrag basiert, ging dieser Frage nach und untersuchte, wie effektiv und wirksam die polizeiliche Präventionsarbeit in Bezug auf ältere Menschen ist. Dabei wurde nicht nur analysiert, welche Massnahmen bestehen, sondern auch, wie diese Zielgruppe Präventionsangebote wahrnimmt, welche Kommunikationsformen sie bevorzugt, inwiefern Community Policing eine förderliche Anwendung finden kann und welche Erwartungen die Seniorinnen und Senioren an die Polizei haben. 

Die Herangehensweise: Forschende im Dialog zwischen Polizei und Bevölkerung 

Die Untersuchung beruhte auf einer Kombination aus theoretischer Analyse und empirischer Datenerhebung. Befragt wurden sowohl Seniorinnen und Senioren als auch Vertreterinnen und Vertreter polizeilicher Präventionsstellen in der Deutschschweiz.  

Diese doppelte Perspektive ermöglichte es, die Einschätzungen beider Seiten zu vergleichen: 
Wie erleben ältere Menschen die Präventionsarbeit? Welche Kommunikationsformen sprechen sie an? Und wie schätzt die Polizei die Wirkung ihrer eigenen Massnahmen ein? 

Bemerkenswert: 97 % der befragten Seniorinnen und Senioren gaben an, der Polizei neutral bis grosses Vertrauen entgegenzubringen – zugleich wünschten sich rund die Hälfte eine stärkere sichtbare Präsenz im Alltag. 

Die Befunde zeigen, dass Prävention dann besonders wirksam ist, wenn sie auf Dialog und persönliche Begegnung setzt – zentrale Elemente des Community Policing. 

Erkenntnisse: Nähe, Vertrauen und Kommunikation als Schlüssel 

Die Resultate der Studie zeigen deutlich: Ältere Menschen wünschen sich eine direkte, persönliche Ansprache und bevorzugen traditionelle Kommunikationsformen. Informationsveranstaltungen, Printmedien oder persönliche Gespräche werden bevorzugt.  

Rund 83 % der Befragten halten Präventionsarbeit für wichtig oder sehr wichtig, doch nur etwa jede fünfte Person bewertet sie als wirklich wirksam. 

Digitale Kanäle spielen zwar zunehmend eine Rolle, erreichen die Zielgruppe derzeit aber nur begrenzt – trotzdem besitzen fast alle Befragten (98 %) ein Smartphone. Für viele Seniorinnen und Senioren bleibt der persönliche Kontakt zur Polizei entscheidend – er vermittelt Vertrauen und stärkt das Gefühl, ernst genommen zu werden. 

Auch die befragten Polizeistellen erkennen die Bedeutung des direkten Dialogs, stehen jedoch vor der Herausforderung, mit begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen möglichst wirkungsvolle Massnahmen umzusetzen. Ein zentrales Entwicklungsfeld ist daher die systematische Wirkungsmessung: Sie ermöglicht es, Präventionsangebote gezielt anzupassen und die vorhandenen Mittel effizient einzusetzen. Die Untersuchung weist jedoch darauf hin, dass systematische Evaluationsmethoden zur Messung der Wirksamkeit oft fehlen – rund 40 % der Präventionsstellen führen keine formelle Wirkungsmessung durch – was indes eine gezielte Optimierung bestehender Massnahmen erschwert. Obwohl die Polizei ein hohes Engagement zeigt, ihre Angebote kontinuierlich an die Bedürfnisse älterer Menschen anzupassen, stellt sie die Praxis gleichzeitig vor erhebliche Herausforderungen. So sind Wirkungsmessungen zeit- und kostenintensiv und in der Befragung wurden fehlende personelle Ressourcen gefolgt von finanziellen Mitteln am häufigsten, als zentrale Hürden der polizeilichen Präventionsarbeit genannt.  

Es wird sichtbar, dass Prävention im Sinne des Community Policing weit über reine Kriminalitätsverhütung hinausgeht: Sie trägt entscheidend dazu bei, das Sicherheitsgefühl älterer Menschen zu stärken und das Vertrauen in die Polizei zu festigen. Diese Aspekte bilden die Grundlage für eine nachhaltige, partnerschaftliche Präventionskultur. 

Blick nach vorn: Prävention als partnerschaftlicher Prozess 

Die Handlungsempfehlungen der Studie zeigen Wege auf, wie die Polizei ihre Präventionsstrategien künftig noch wirkungsorientierter gestalten kann – etwa durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit Seniorinnen- und Seniorenorganisationen, durch gezielte Wirkungsmessung sowie durch die Förderung persönlicher Kontaktaufnahmen. Traditionelle Kommunikationskanäle bleiben dabei zentral, während digitale Formate schrittweise ausgebaut und weiterentwickelt werden sollten – insbesondere dann, wenn sie den direkten Dialog unterstützen. Präventionsarbeit ist dabei nicht allein Aufgabe spezialisierter Stellen: In der gesamten Organisation muss ein Bewusstsein dafür vorhanden sein, welchen präventiven Einfluss sichtbare Präsenz und proaktive Polizeiarbeit haben. Effektive Prävention verbindet sichtbare Präsenz mit gezielter Kommunikation und berücksichtigt sowohl objektive Sicherheitsdaten als auch das subjektive Sicherheitsempfinden der älteren Bevölkerung. 

Damit findet Prävention in einem Dialog und partnerschaftlichen Prozess statt: Die Polizei bleibt eine wichtige Ansprech- und Vertrauensinstanz, während die ältere Bevölkerung aktiv in die Gestaltung sicherheitsfördernder Massnahmen einbezogen wird. 

Ein gemeinsamer Weg zu mehr Sicherheit 

Die Untersuchung zeigt weiter: Eine wirkungsvolle Prävention für ältere Menschen erfordert keine völlig neuen Konzepte, sondern vor allem Nähe, Dialog und Kontinuität. Wenn Präventionsarbeit gezielt auf die Lebenswelten der Generation 60+ eingeht, entsteht ein klarer Mehrwert – für die Polizei ebenso wie für die Bevölkerung. 

​​Literaturverzeichnis 

​​Uysal, A., & Aegerter, O. R. (2025). Effiziente und wirkungsorientierte Präventionsarbeit für die ältere Bevölkerungsgruppe. Kontakt- und kommunikationsorientierte Initiativen zur Erreichung und Sensibilisierung von Seniorinnen und Senioren durch die Polizei. Hochschule für Wirtschaft (FHNW), Nonprofit- und Public Management, Freienstein & Solothurn. 

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